Barfuss in Florida. Tendenz abnehmend: "It's the law!" (Hobby? Barfuß! 2)

aquajeans, Wednesday, 04.10.2000, 16:21 (vor 8754 Tagen)

Nach einigen Jahren Pause verbrachte meine Familie ihren Urlaub dieses Jahr wieder in Florida im Monat August (Orlando, Daytona und Key West)

Während früher Barefooter , insbesondere in Key West, häufig oder sogar sehr häufig zu sehen waren, ist die Tendenz, gelinde gesagt, mehr als rückläufig. Selbst im lockeren Key West laufen eigentlich nur doch die lokalen Originale der Kategorie Landstreicher barfuss, was mich allerdings nicht davon abhielt, zu tun was ich wollte, ohne gestört zu werden.

Teva's sind mittlerweile in Key West die angenommene Kleiderordnung, für jemand der seine Füsse zeigen will.

Und selbst im lockeren Key West werden in den Franchise-Restaurants die "no shoes no service policies" mittlerweile bierernst genommen.

Die grosse Ausnahme bleibt die Ostküste (Daytona Beach , Cocoa Beach) , wenngleich barfusslaufen bei 35 ° C zu Mittag auf Asphalt nicht jedermanns Geschmack ist. Aber einen Lichtblick gibt es: im Ron Jon (Riesensurf-und Sportartikelgeschäft in Cocoa Beach, südlich von Daytona, 24 Stunden geöffnet) kann man immer noch barfuss einkaufen, und man ist dort nicht allein. Im Surferambiente ist das anders.

Nach meiner Meinung kommt der neue Antibarfussfimmel der Amerikaner unter anderem auch aus ihrem unerschütterlichen Glauben an die Kleiderordnung. Es wird in Amerika peinlichts auf die Kleiderordnung im Betrieb geachtet (vor Jahren habe ich mal im Forum der DSS nachgelesen, dass es in verschiedenen Betrieben verboten ist , die Schuhe unterm Bürotisch auszuziehen!).

In Key West sieht man jeden Morgen die Anwälte bei 35 ° - 40 °mit schwarzem Anzug, Schlips und Kragen zum Gericht laufen. Ich kann die Kollegen nur bemitleiden. Bei den Temperaturen herrscht bei uns selbst bei Gericht Talardispenz. Die Amerikaner schwitzen sich lieber zu Tode, als dass sie den Dress Code nicht respektieren

Und auch in der Freizeit wird mittlerweile unterschieden zwischen formal, semi- formal, casual, very casual, usw.. Die feinen Unterschiede sind manchmal haarsträubend, wo Jeans verboten sind, sind Chinos oder Dockers von Levi's erlaubt usw., Barefoot gehört in die Rubrik very casual

Gerade die Fast-Foodchains der gehobeneren Klasse (Bedienung am Tisch, Porzellangeschirr, aber trotzdem Fastfood) wier Denny's , Perkins usw. wollen etwas "Besseres" sein, und sind deshalb besonders erpicht darauf dass es in ihrem Lokal nicht very casual zugeht, und man sie nur nicht mit Burger King verwechselt.

Eine amüsante Anekdote zum Schluss:

Mit meiner kleinen Tochter wollte ich in Orlando ein Wasserparadies. Schuhe hatten wir nicht bei uns(Dort is das bis jetzt noch erlaubt). Die Kleine trug Badebekleidung, ich selbst ein T-Shirt und einen Short. Ein plötzlich ausbrechendes Gewitter, nachdem wir das Ticket gelöst hatten, und ein Sommergewitter in Florida ist wirklich beindruckend, nicht zu vergleichen mit unseren europäischen, führte zur Schliessung des Wasserparadieses.

Nach einer halben Stunde hatte das Gewitter sich soweit gelegt, dass wir zum Parkplatz zurückkonnten, der kniehoch im Wasser stand. Bei der nächsten Ampel war ein Wasserloch von ca. 60 cm, und unserem Mietwagen ging der Motor aus, und sprang engültig nicht mehr an.

Um ein Taxi zu holen, ging ich, als einzig möglichen Weg, durch einen 1meter tiefen "Ditch" (Wassergraben) , meine kleine Tochter auf dem Arm, zu einem nahegelegen Fastfoodrestaurant. Wir waren beide klitschnass. Der Inhaber kam zur Tür, war äusserts liebenswürdig, rief sofort ein Taxi und eine Abschleppwagen, ohne einen Cent fürs Telefon zu verlangen, lieh uns sogar Handtücher zwecks Abtrocknen der lieben Kleinen, und spendierte uns zwei Riesencola zur Stärkung, nur in einem blieb er unnachgiebig: in sein Restaurant durften wir auf keinen Fall rein, nicht etwa wegen der klitschnassen Kleider, denn die meisten Gäste tropften nur so vor sich hin, sondern weil wir barfuss waren. "You know, it's the law !", sagte der Mann mit bedauerndem aber ernsthaftem Blick. Er hatte seine "patriotic duty" erfüllt un in seinem Lokal für Gesetz und Ordnung gesorgt.

Der Mann war nett, und ich hatte keinen Bock auf ein Streitgespräch. Aber so ist's nun mal in Florida.

Bis bald

aquajeans


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